Beeinflusst durch Mobilität, Wohlstand und dem seit langem geltenden Prinzip der funktionalen Trennung, hat die Entwicklung von Raum zu einer stark exklusiven und einseitigen Nutzung räumlicher Strukturen geführt. Diese stark funktionsabhängige Raumnutzung wirkt sich beispielweise negativ auf das Wohnungsangebot und die Ressourcenschonung aus und führt zu unnötigem Dichtestress. Wohnungen, Büros, Schulen, Kirchen, Sporteinrichtungen, der öffentliche Verkehr usw. sind oft unternutz. Vor dem Hintergrund des aktuellen sozialen, wirtschaftlichen und technischen Wandels ist nun aber ein klarer Trend zur Mehrfachnutzung oder zum Teilen von Raum zu beobachten. Die daraus entstandene Sharing Economy – die Wirtschaft des Teilens – findet auf verschiedenen Ebenen statt und kann Probleme lösen und Zufriedenheit fördern.
Insbesondere auch aus Sicht der Raumplanung, der Stadtentwicklung, der Wirtschaft und des Umweltschutzes sowie der Gesellschaft insgesamt sollten wir uns intensiver mit dem Teilen von Räumen beschäftigen. Mehrfachnutzung hat grosses Potenzial: Sie kann eine nachhaltige Raumentwicklung und das Zusammenleben positiv beeinflussen.
Allerdings gibt es auch Risiken und offene Fragen. Möglicherweise zeigen sich positive Wirkungen vor allem im sozialen Bereich. Die wirtschaftlichen Effekte sind dagegen nicht eindeutig. Und auch die Hoffnung auf ökologische Vorteile könnte sich nicht vollständig erfüllen, etwa wenn durch sogenannte Rebound-Effekte eingesparte Ressourcen an anderer Stelle wieder verbraucht werden. Daher erscheint die Steuerung der Mehrfachnutzung durch Angebot, Regulierung oder institutionelle Unterstützung sinnvoll.
«Mehr Raum. Weniger bauen.» beleuchtet die Geschichte, etablierte und zukünftige Beispiele von Mehrfachnutzungen und lässt uns gemeinsam darüber nachdenken, wie sich dieses wichtige Thema in Zukunft entwickeln könnte.
Ausstellung
Im Rahmen von «Mehr Raum. Weniger bauen.» zeigen wir zeitgleich die Ausstellung «Small in Japan» von Ulf Meyer, Architekturjournalist, Berlin.
Japaner wohnen nicht ausschliesslich in den eigenen vier Wänden, sondern in der Stadt: Convenience-Store, Waschsalon, Sento oder Café übernehmen Funktionen der Wohnung, während das Zuhause als Refugium dient. Auf kleinsten, teuren Grundstücken entstehen durch Erfindungsreichtum, raffinierte Erschliessungen, Innengärten, gezielte Ausblicke und fliessende Raumfolgen überraschend grosszügige Mikrohäuser, die auf Enge, Dichte und den gesellschaftlichen Wandel reagieren. Da Gebäude in Japan oft nur wenige Jahrzehnte bestehen und Kontextlosigkeit zum städtischen Alltag gehört, ist der Wohnbau zu einem Experimentierfeld für Architekten wie Tsuyoshi Tane, Yuko Nagayama oder Florian Busch geworden, deren Entwürfe den internationalen Trend zur «Smallness» prägen.

