Woher nimmst du Inspiration für die Innenraumgestaltung?
Für mich ergibt sich die Inspiration aus dem Ort und der vorgefundenen Situation selbst – durch dessen Raumbestimmung oder die bereits vorhandene Atmosphäre. Das ist die Ausgangslage, auf der ich dann aufbaue. Meist entwickelt sich die Inspiration «auf dem Weg», Stück für Stück, weil eins das andere ergibt.
Bedeutet das, dass Interieur keinem vorab festgelegten Konzept folgen muss, sondern zufällig entsteht?
Jein. Ideen für das Interieur entstehen durch den Raum und dessen funktionale Bestimmung. Beides ist meist schon vorab gegeben und bildet die Grundlage, jedenfalls wenn der Raum bereits besteht und nicht neu gebaut wird. Alles Weitere geschieht – jedenfalls bei mir persönlich – spontan. Andere Menschen ticken anders und verfolgen ein kuratiertes, durchdachtes Interieurkonzept. Im öffentlichen Raum oder bei grossem Wohnraum ist das sinnvoll. Privat mag ich es intuitiv, nach dem Grundsatz: «Interieur folgt der Raumnutzung».
Hast du ein besonderes Möbelstück oder einen Lieblingsort im Haus?
Licht, Luft und Leichtigkeit sind für uns zentral. Beim Neubau des Hauses haben wir uns deshalb auch für ein Atrium entschieden, das diese Aspekte vereint. Es wirkt wie ein zusätzlicher Raum und bringt Licht und frische Luft ins Innere. Ausserdem schafft es eine Leichtigkeit, die Innen und Aussen verbindet. Die grossen, öffenbaren Schiebetüren unterstreichen diese Idee.
Was bedeutet Wohnen für dich persönlich?
Für mich ist Wohnen Dreiklang aus Raumgefühl, Materialwahl und Atmosphäre. Etwas philosophischer ausgedrückt, ist «Wohnen» gleichbedeutend mit «Sein», denn es ist Ausdruck und Abbild des eigenen Lebens. Wohnen prägt die Beziehungen, wie die eigene Partnerschaft oder das Miteinander zu den Kindern, Freunden, Tieren etc. Es bietet also den Rahmen, in dem unser tägliches Leben stattfindet, gedeiht und dieses fundamental beeinflusst.
Wie unterscheidet sich das Zuhause von Projekten für Auftraggeber:innen?
Eigentlich gibt es kaum einen Unterschied, ausser dass beim Schaffen von Wohnraum im beruflichen Kontext die Wünsche und Bedürfnisse der Auftraggeber:innen verstanden und durchdrungen werden müssen. Es geht also nicht um Selbstverwirklichung, sondern um Unterstützung bei der Verwirklichung des Gegenübers.
Gibt es Elemente, auf die du privat nicht verzichten würdest?
Wie oben bereits erwähnt, ist Tageslicht für uns sehr wichtig. Darüber hinaus mag ich offene und flexible Räume – auch ein Grund, warum wir uns für das Atrium entschieden haben. Im Sommer erweitern wir unseren Wohnraum dank der grossen Schiebetüren mit dem Aussenraum. Im Winter, selbst wenn die Türen geschlossen sind, bringt das Atrium Licht und wirkt wie ein eigener Raum mit Blick ins Freie. Auch das Element Feuer ist zentral für uns – ein Ofen bringt nicht nur Wärme, sondern schafft einen behaglichen Treffpunkt für gemeinsame Mahlzeiten mit Familie und Freunden. Ich mag das Licht, die Wärme und den Geruch des Feuers.
Gibt es berufliche Gestaltungsprinzipien, die du auch privat umsetzt?
Definitiv, die Prinzipien, die ich beruflich anwende, finden auch im privaten Bereich ihren Platz. Für mich ist Raum ein prägendes Element für Zusammenleben, Arbeit und Freizeit. Räume sind allgegenwärtig und in gewisser Weise hierarchisch gestaltet. Letztlich befinden wir uns ständig in irgendeinem Raum – ob es nun Weltraum, Aussenraum, Stadtraum, Wohnraum, Arbeitsraum oder Innenraum ist.
Gibt es etwas, das du im eigenen Haus bewusst nicht einsetzt, aber beruflich empfehlen würdest?
Vielleicht gewissen Luxus, der mir persönlich unwichtig ist. Ein Swimmingpool, eine extravagante Küche, viele Zimmer oder Garagen. Wir mögen es meist simpel – qualitativ hochwertig und funktional, aber kein Luxus.
Beeinflussen private Wohnerfahrungen deine berufliche Arbeit?
Absolut. Besonders die Nutzung von Räumen und deren Wandel im Laufe der Zeit. Ich habe Erfahrung mit Wohnen auf dem Land, in der Stadt, in der Agglo, in Grossstädten, als Kind, Jugendlicher, Single, in Wohngenossenschaften, als «DINK» (double income no kids), Familie und jetzt wieder als Paar. Das Wohnen nach dem Auszug der Kinder ist aktuell ein Thema für uns. Diese Dynamik früh zu berücksichtigen, finde ich wichtig.
Zum Abschluss: Nenne drei Aspekte, die dich als Architekt ausmachen.
Das müssten eigentlich andere sagen, aber ich selbst würde mich als offenen Menschen beschreiben mit vielerlei Interesse und Schaffenskraft. Die Offenheit erlaubt es mir, neue Ideen und Herausforderungen mit unvoreingenommenem Blick anzugehen. Mein Interesse treibt mich an, immer wieder dazuzulernen und bringt mich jeden Tag zu interessanten Situationen. Stillstand ist nichts für mich. Und die Schaffenskraft gibt mir Energie und Motivation und zu guter Letzt auch eine gewisse Angstlosigkeit vor den Dingen. Alles ist möglich, man muss es aber können, wollen und tun…

























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