Als Sie 2012 in das Haus eingezogen sind – welches Gefühl hatte der grosse, offen gestaltete Wohn-/Essbereich mit Blick auf den Innenhof für Sie? Und wie erleben Sie diesen Raum heute?
Nach dem Einzug hat es tatsächlich einen Moment gedauert, bis wir uns an den grosszügigen Wohnraum gewöhnt haben. In der Theorie und auf Plänen wirkt vieles abstrakt: die besondere Höhe, die weitläufigen Dimensionen, die Proportionen, der Sichtbeton, die grossen Fensterfronten… Da mussten wir uns ein wenig dran gewöhnen. Zuvor hatten wir ganz anders gewohnt. Nach und nach haben wir den Raum mit Leben gefüllt – jetzt ist es unser Zuhause.
Gibt es Bereiche oder Elemente im Haus, die Sie heute nach wie vor besonders schätzen, vielleicht sogar mehr als direkt nach der Fertigstellung?
Die Grosszügigkeit haben wir über die Jahre immer mehr schätzen gelernt. Jeder von uns kann seinem Interesse nachgehen, ohne dass man zu nah aufeinandersitzt. Mein Mann musiziert gerne und ich bin vis-à-vis im Atelier. Jeder hat seinen Bereich und trotzdem sind wir zusammen. Dazu der Blick ins ruhige Grüne. Das ist schon wirklich wunderbar. Genau diese Qualität trägt dazu bei, dass wir auch gerne Zeit zu Hause verbringen. Ein weiterer Aspekt, den wir heute mehr denn je schätzen, ist der ebenerdige, eingeschossige Aufbau des Hauses. Gerade mit Blick auf das Älterwerden bietet er klare Vorteile und ermöglicht es, langfristig selbständig im eigenen Zuhause zu bleiben. Die praktische Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist ebenfalls von Vorteil, weil wir das Auto nicht zwingend brauchen.
Gibt es Dinge, die Sie heute anders gestalten lassen würden?
Die Schlafzimmer würden wir heute vermutlich etwas anders planen – wärmere Materialien einsetzen, wie beispielsweise Lehmwände oder einen Holzfussboden. Im Wohn- und Essbereich sorgen Vorhänge und ein Teppich zwar für eine gewisse Schallregulierung. Für uns ist das gut so, aber da man im Alter ja etwas sensibler auf akustische Feinheiten reagiert, würde jemand anderes möglicherweise eine andere Lösung bevorzugen. Wir sind es aber ja nicht anders gewöhnt. Zudem wäre es praktisch, den Atelierbereich noch separater zu haben. Eine flexiblere Nutzung in Form einer möglichen Untervermietung wäre dann einfacher.
Die Baukörper wurden mit Sichtbeton im höheren Teil und dunklen Platten im tieferen Bereich ausgeführt. Wie empfinden Sie die Materialwahl heute – sowohl ästhetisch als auch im Unterhalt?
Die Architektur des Hauses ist grundsätzlich geradlinig und schnörkellos. Gleiches gilt für den Sichtbeton. Das ist unser Geschmack und gefällt uns nach wie vor sehr. Ausserdem ist der eingefärbte Zementboden mit seiner leicht unregelmässigen Struktur sehr pflegeleicht. Gleichwohl wirkt er – gerade in der dunklen Jahreszeit und ohne Heizung – eher kühl, was sich ein wenig auf das Ambiente auswirkt. Daher, wie schon erwähnt, die Erkenntnis mit dem Holzboden… Insgesamt hätte aus heutiger Sicht ein ausgewogener Mix aus warmen Materialien in Kombination mit der eher kühlen Architektursprache des Hauses sicher auch seinen Reiz.
Das Haus wurde gemäss Minergie-Vorgaben realisiert und mit einer Wärmepumpe mit Erdsonden sowie Photovoltaik ausgestattet. Wie erleben Sie die technische Ausstattung heute – erfüllt sie Ihre heutigen Ansprüche an Komfort und Nachhaltigkeit?
Wir betrachten die Anlage als bewusste Investition in nachhaltige Energienutzung, auch im Wissen, dass wir für Wohn- und Arbeitszwecke sehr viel Raum beanspruchen. Nachhaltigkeit bringt auch Verantwortung mit sich – nicht zuletzt, was die Ansprüche an das Gebäude betrifft. Die grosszügigen Fensterfronten empfinden wir als besonders angenehm, da sie viel Licht ins Haus bringen. Gleichzeitig bergen sie trotz Dreifachverglasung Wärme- und Kältebrücken: Im Winter kann es spürbar kühler sein, im Sommer hitzeleitend. Die kontrollierte Lüftung trägt wesentlich zu einem guten Raumklima bei und könnte perspektivisch im Sommer auch als Kühlsystem ergänzt werden. Ausserdem: Fast alle Fenster sind ebenerdig, was ein Einbruchrisiko birgt und das Lüften bei Abwesenheit erschwert.
Die Gebäudeform richtet sich mit Wohn- und Essbereich sowie Atelier gegen den umschlossenen Hof. Wie wichtig ist Ihnen heute der Innen-Aussen-Bezug und welche Rolle spielt der Hof in Ihrem Alltag?
Der Blick vom Atelier über den Garten und die Terrasse rüber zum Wohn-Essbereich und andersherum gefällt uns gut – viel Grün und Natur. Das mögen wir und die Spiegelungen im Glas zeichnen je nach Wetterlage und Tageszeit ein schönes Bild. Gleichwohl sind Garten und Terrasse durch ihre Position im Mittelpunkt, was eine unabhängige Nutzung praktisch unmöglich macht. Was draussen vor sich geht, wird drinnen gesehen. Man ist immer im Blick. Für uns kein Problem. Würde man das Atelier eines Tages aber tatsächlich untervermieten, könnte es zu einem werden, da man immer im Blickfeld der anderen Partei ist.
Mit Blick auf die Zukunft: Gibt es Änderungswünsche, die Sie geplant haben und in Tat umsetzen wollen? (z.B. Raumeinteilung, Belichtung, Materialwahl, technische Aspekte)
Was zukünftige Anpassungen angeht, sind wir uns noch nicht ganz sicher. Wie oben bereits erwähnt, gibt es ein paar Ideen und Vorstellungen. Auch wäre ein ästhetisch ansprechendes Akustikelement im Essbereich schön. Gleichzeitig sind all diese Änderungen auch mit Aufwand verbunden, sodass wir noch unentschieden sind.
Welchen Erfahrungswert/Tipp würden Sie an Hauseigentümer:innen weitergeben, die heute neu bauen?
Mein wichtigster Tipp an heutige Hauseigentümer:innen wäre, sich frühzeitig ein klares Bild über den eigenen Lebensstil zu machen – sowohl zur aktuellen Lebensphase als auch für die absehbare Zukunft. Ein modulares Konzept ist sicher von grossem Vorteil. Es lohnt sich zu überlegen, wie man als Einzelperson, Paar oder Familie lebt, welche beruflichen und privaten Aktivitäten im Haus stattfinden (beispielsweise Homeoffice) und wie viel Zeit man tatsächlich zu Hause verbringt im Vergleich zu Sport, Kultur oder Reisen. Ein realistisches Raumgefühl ist entscheidend: Lichtbedürfnisse, Privatsphäre und gelebte Nutzung sollten im Vordergrund stehen, nicht idealisierte Traumhausbilder. Praktische Aspekte wie akustische Trennung sind ebenfalls wichtig – Schiebetüren dienen oft nur der optischen Trennung, nicht der Geräuschdämmung. Das ist tatsächlich auch ein Punkt, den wir heute vermutlich anders lösen würden. Aktivitäten der Bewohner:innen – etwa Musizieren oder Arbeiten, Kochen und die damit verbundenen Gerüche – all das sollte so geplant werden, dass es im Idealfall einander nicht stört oder einschränkt. Auch der Pflegeaufwand darf nicht unterschätzt werden: schwer erreichbare Fenster oder spezielle Griffleisten erfordern regelmässige Pflege.



















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