- Kannst du bitte kurz erläutern, was die Ausgangslage beim Umbau der Privée-Station derHirslanden Klinik Stephanshorn war und welche Ziele mit dem Projekt verfolgt wurden?
Mit dem Entscheid der Hirslanden-Gruppe, dieHirslanden-Klinik Am Rosenberg in Heiden zu schliessen, war auch klar, dass dieHirslanden-Klinik Stephanshorn mehr Patienten aufnehmen könnte/müsste.Insbesondere fehlen der Klinik adäquate Privatzimmer. Im Rahmen einerMachbarkeitsstudie zur Sanierung und Erweiterung des Spitals konnten wiraufzeigen, dass in der freiwerdenden Fläche im 4. OG des Annexbaus der Bedarfnach einer Privée-Station kurzfristig bzw. provisorisch abgedeckt werdenkönnte. Die Privée-Station mit den 9 Zimmern bildet dabei eine Erweiterung zurbestehenden Bettenstation im 4. OG und kann daher betrieblich und logistischsehr gut in den Bestand eingebunden werden.
- Was unterscheidet einen Umbau im Spital von einem klassischen Bau- oder Sanierungsprojekt?
Bei Umbauten und Sanierungen gibt es je nach Nutzung unterschiedliche Komplexitäten, welche berücksichtigt werden müssen,insbesondere bei laufendem Betrieb. Umbauten und Sanierungen in einem Spital stellen sehr hohe Anforderungen an die Planung und Realisierung. Einerseits sind da die betrieblichen Anforderungen, welche die Betriebsabläufe, die Ver-und Entsorgungswege, die Hygiene etc. berücksichtigen müssen, und andererseits die Infrastruktur des Gebäudes, also die Haustechnik (Elektro, Heizung, Lüftung,Klima, Sanitär, Medizinalgase etc.), aber auch die Statik des Gebäudes sowie die bauphysikalischen, akustischen und feuerpolizeilichen Anforderungen. Im Detail bedeutet dies, dass z. B. bei der Lüftung oder bei der Elektroinstallation die bestehenden Unterlagen gesichtet und geprüft werden müssen.
Meistens sind leider die Revisionspläne nicht immer nachgeführt, da in der Zwischenzeit immer mal wieder kleine Änderungen ausgeführt wurden. Wo immer möglich, ist dies mit Sondierungen und einem Blick in die abgehängten Decken zu überprüfen, damit vor Baubeginn klar ist, welche Installationen zurückgebaut werden können und wie die neuen Installationen in das System integriert werden. Es darf ja nicht sein, dass wir eine Elektro-oder Lüftungsleitung kappen, an welcher in einem anderen Bereich noch medizinische Geräte angehängt sind – die Folgen könnten fatal sein.
Neben all diesen Themen ist es natürlich auch sehr wichtig,die Hygiene und Sicherheit immer zu gewährleisten. Bei der Hygiene braucht es klare Trennungen. Die Baustelle muss ein eigener, klar vom Spitalbetrieb abgetrennter Bereich sein. Dazu gehört die Ver- und Entsorgung der Baustelle sowie die Wege der Bauarbeiter. Bei derSicherheit braucht es klare Konzepte, welche den Baufortschritt berücksichtigen. Gerade die Fluchtwege im Spital und die Fluchtwege auf der Baustelle müssen immer gewährleistet sein.
- Wie organisiert man Bauabläufe, Materiallieferungen und Handwerkerkoordination, wenn Patient:innen, medizinisches Personal und Klinikbetrieb gleichzeitig weiterlaufen? Worauf kommt es im Kern an?
Ich denke, die Kommunikation ist hier zentral. Alle Mitarbeitenden des Spitals müssen über das Sanierungsprojekt und dessen Notwendigkeit informiert sein. Es braucht ein Verständnis aller über das Ziel der Sanierung, denn nur so kann z. B. das Pflegepersonal die Fragen derPatient:innen beantworten.
- Welche Rolle spielen Faktoren wie Zugänge, Transportwege, Arbeitszeiten oder Lärmimmissionen bei einem solchen Umbau?
Eine sehr grosse. Wie schon beschrieben, muss die Baustelle ein in sich geschlossener, separater Bereich sein, die Transportwege sollten sich nicht kreuzen. Die Arbeitszeiten und die Lärmfenster müssen mit der Klinik im Vorfeld definiert und zwingend eingehalten werden. Bei einer Sanierung von 3 OPs mit angegliederter Sterilisation im laufenden Betrieb haben wir – da immer in 2 OPs operiert wurde – auf der Baustelle eine Alarmglocke installiert. Sobald das Operationsteamdiese ausgelöst hatte, mussten die Arbeiten sofort gestoppt werden.Glücklicherweise kam dies nur einmal vor.
- Wo war besonders viel Fingerspitzengefühl gefragt? Gab es Situationen, in denen kurzfristige Anpassungen notwendig waren? Wie wurde damit umgegangen?
Fingerspitzengefühl ist immer dort gefragt, wo Schnittstellen auftreten. Bei der Privée-Station war es z. B. so, dass wir fürdie Ablaufleitungen der Duschen – welche selbstverständlich hindernisfrei sein müssen – Bohrungen ins 3. OG vornehmen mussten, um die Abläufe zu den Fallleitungen zu führen und anzuschliessen. Im 3. OG befindet sich allerdings eine Arztpraxis, die immer in Betrieb sein musste. Wir haben daher klare Zeitfenster für lärmbelastende Arbeiten definiert und zugleich mit einem tagesscharfen Terminprogramm die Eingriffe im 3. OG festgelegt.
- Findet direkte Kommunikation auch ggü. den Patient:innenstatt?
Nein, eine direkte Kommunikation des Planungspersonals zu den Patient:innen darf nicht stattfinden. Dies muss immer über die Projektleitung der Auftraggebenden bzw. das Spital erfolgen.
- Wie beeinflusst der laufende Betrieb die architektonischen Entscheidungen und die Gestaltung der neuen Räume? Muss man ggf. Abstriche machen?
Es ist weniger der laufende Betrieb, der architektonische Entscheidungen beeinflusst. Vielmehr sind es die räumlichen Gegebenheiten bei einem Umbau. Das Annex-Gebäude wurde als Skelettbau errichtet, d. h. wir hatten ein vorhandenes Stützenraster, aber keine Tragwände. Dies hatte den Vorteil, dass wir alle Wände zurückbauen und die neuen Räume anhand des Stützen- und Fassadenrasters neu planen konnten. Da es sich um Leichtbauwände handelte, warauch die Lärmimmission gering.
Für die Duschen mussten wir jedoch den bestehenden Unterlagsboden im Duschbereich in den vereinbarten Zeitfenstern herausspitzen.Bei den Deckenhöhen mussten wir leider einige Abstriche machen. Da die Geschosshöhen des Bestands vorgegeben sind, musste dies in der Koordination der Haustechnik berücksichtigt werden. Die bestehende Geschosshöhe war an sich schon tief, daher haben wir ein Konzept erarbeitet, bei dem die Leitungsführung der Gewerke fast ohne Kreuzungen ausgekommen ist. Es kamen aber auch noch neue Brandschutzvorschriften, insbesondere für Abschottungen bei den Wanddurchführungen, dazu. Letztlich mussten wir die Decke im Gangbereich 5 cm tiefer einbauen als ursprünglich geplant.
Zum Projekt bitte hier entlang.
Credit Michael Orlik

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