Nachgefragt: Massgeschneiderte Lichtobjekte für individuelle Räume. Im Gespräch mit PrintYourLight.

Wie entstehen Leuchten, die weit über ihre Funktion als Lichtquelle hinausgehen und die Architektur eines Raums fortführen? Im Gespräch mit den Gründern von PrintYourLight sprechen wir über den Einfluss von Architektur, Natur und Co-Design auf ihre Arbeit, die Möglichkeiten des 3D-Drucks sowie die Rolle von Licht als identitätsstiftendes Gestaltungselement.

Credit letztes Bild: ©ferdinandogodenzi

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  1. Eure Leuchten wirken weniger wie klassische Beleuchtung und mehr wie räumliche Objekte. Gibt es Einflüsse ausserhalb des klassischen Produktdesigns – etwa aus Kunst, Mode oder Architektur – die eure Arbeit besonders inspirieren?
    PYL: Diese Beobachtung trifft einen Kern unserer Arbeit. Und ja, Einflüsse von aussen prägen uns durchaus: Wir verfolgen die Strömungen, die wir auf den Designmessen sehen, und vor allem inspiriert uns die Natur mit ihren organischen, zellulären Formen. Entscheidend ist, was wir mit diesen Eindrücken machen. Wir beginnen nie bei einem fertigen gestalterischen Kanon, sondern immer bei der konkreten Situation: bei der Auftraggeber:in, dem Ort, dem Projekt und der Idee dahinter. Kunst, Architektur und Design sitzen dabei von Anfang an mit am Tisch, weil jedes Objekt im direkten Dialog mit Archi-tekt:innen, Innenarchitekt:innen, Lichtplaner:innen, Künstler:innen und Designer:innen entsteht, die ihre eigenen Referenzen einbringen. Die Form wächst dann in einem iterativen Co-Design-Prozess aus diesem Austausch und nicht aus einer vorgefassten Ästhetik. Genau darum wirken die Resultate eher wie räumliche Objekte als wie Katalogware. Jedes Stück trägt die Handschrift seines eigenen Kontexts.
  2. Was inspiriert euch beim Design – die Lichtverhältnisse, die Atmosphäre eines Raums oder die Bedürfnisse der Kund:innen?
    PYL: Am Anfang steht bei uns selten ein einzelner Faktor, sondern ein gemeinsam entwickeltes Narrativ für das Projekt. Daraus leitet sich alles Weitere ab. Das eigentliche Ziel ist die Atmosphäre, die im Raum mit all seinen Facetten entsteht, und dafür ist unter anderem das Zusammenspiel von Tages- und Kunstlicht zentral. Wir denken eine Leuchte aber immer über ihre reinen Lichtzustände hinaus. Neben den verschiedenen Dimmstufen hat jedes Objekt auch einen ausgeschalteten Zustand, in dem es als Körper im Raum bestehen muss. Diese Präsenz im unbeleuchteten Moment ist uns ebenso wichtig wie die Lichtwirkung selbst. So entsteht ein Objekt, das einen Raum prägt, ob es nun leuchtet oder nicht. Die Bedürfnisse der Kund:innen sind dabei kein Gegenpol, sondern zentraler Teil dieses Narratives.
  3. Wie genau schaut der Designprozess aus? Gibt es da einen sich immer wiederholenden Ablauf? Und was dauert länger – Design oder Produktion?
    PYL: Ja, es gibt einen wiederkehrenden Ablauf, auch wenn jedes Projekt anders endet. Im Zentrum steht der iterative Co-Design-Prozess, in dem wir die Idee gemeinsam und im interdisziplinären Team weiterentwickeln. Dabei arbeiten wir früh mit physischen Prototypen, die wir dank unserer 3D-Druckkapazitäten sehr schnell herstellen. Über diese Muster entstehen rasche Iterationen, in denen die Kund:in den Prozess aktiv mitgestalten kann, sodass das Resultat am Ende der gemeinsamen Vorstellung entspricht. Den grösseren Teil der Zeit beansprucht klar die Entwicklung. Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt vergehen meist zehn bis zwölf Wochen. Die Produktion richtet sich nach Grösse und Stückzahl, fällt mit dem 3D-Druck aber spürbar kürzer aus als bei klassischen Verfahren. Realisiert wird ab Stückzahl 1 bis aktuell rund hundert Stück.
  4. Die Leuchte in unserem gemeinsamen Projekt prägt den Raum bereits beim ersten Blick. Welche Rolle spielt eurer Ansicht nach ein solches «Statement-Piece» heute in der Architektur und Innenarchitektur?
    PYL: Ein gutes Statement-Piece ist heute weit mehr als Dekoration, es gibt einem Raum Orientierung, Identität und Präsenz. In unserem gemeinsamen Projekt lag genau darin die Aufgabe. Der Kiosk liegt etwas zurückversetzt und wurde von den meisten Passant:innen schlicht übersehen. Das Team von Blaser Architekten kam mit der Idee auf uns zu, diesen Bereich sichtbarer und attraktiver zu gestalten. Licht ist dafür ein ideales Medium, weil es zugleich führt, signalisiert und inszeniert. Im Lauf des Projekts hat sich die Aufgabe wie so oft justiert und wir haben uns gemeinsam für ein Statement-Piece entschieden. Das Resultat zeigt, wie präzise Raum, Material und Licht zusammenspielen müssen, damit ein solcher Blickfang entsteht. Genau das ist im Projekt mit Blaser Architekten gelungen.
  5. Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit mit Architekt:innen und Innenarchitekt:innen für euren Entwurfsprozess? Entstehen die besten Ideen eher im Dialog oder aus einer klaren gestalterischen Vision heraus?
    PYL: Die Zusammenarbeit mit den Planenden ist das Herzstück unseres Entwurfsprozesses. Am Anfang steht meist eine klare gestalterische Vision und die ist als Richtung enorm wichtig. Ihre eigentliche Kraft entfaltet sie aber im Dialog, wenn sie auf unsere Erfahrung und auf die Eigenheiten des konkreten Projekts trifft. Genau hier liegt für uns ein technischer Vorteil: Weil wir im 3D-Druck arbeiten, müssen wir keine Spritzgusswerkzeuge herstellen lassen, die eine Form ein für alle Mal festlegen. So darf sich eine Idee im Projektverlauf wandeln, erweitern und anpassen, so wie sich auch die Aufgabenstellung oft verändert. Die besten Ergebnisse entstehen fast immer dort, wo Vision und Gespräch ineinandergreifen, statt sich auszuschliessen.
  6. Junge Designmarken stehen oft vor der Herausforderung, sich zwischen Individualität und Skalierbarkeit zu bewegen. Wie kann man trotz wachsender Bekanntheit die eigene gestalterische Handschrift beibehalten?
    PYL: Diese Herausforderung kennen wir gut. Für uns liegt darin allerdings unser grösster Vorteil. Unser Anspruch ist es, die Kund:in zur Gestalter:in zu machen. Anders als bei klassischen Herstellern, bei denen Designer:innen die Formsprache vorgeben, kommt die gestalterische Handschrift unserer Objekte nicht von uns, sondern von den Menschen, mit denen wir arbeiten. Unsere Kompetenz in Lichtplanung, Technik und Material stellen wir dabei in den Dienst ihrer Idee. Individualität ist bei uns also kein Gegensatz zur Skalierung, sondern das eigentliche Produkt: Sie reicht von der Projektebene bis zur einzelnen Position. Wie weit das geht, zeigt sich an den rund fünfzig Kristall-Lichtobjekten, die wir zusammen mit dem Künstlerduo Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger für das Restaurant Banks entwickelt und gefertigt haben, jedes ein Unikat. Die Skalierbarkeit decken wir über unsere Produktionskapazität ab, die wir mit den Projekten mitwachsen lassen. So bleibt jede Handschrift erhalten, gerade weil sie nicht unsere ist.
  7. Nachhaltigkeit wird in der Produktgestaltung zunehmend wichtiger. Welche Verantwortung tragen zeitgenössische Leuchtenhersteller heute – sowohl gestalterisch als auch produktionstechnisch?
    PYL: Verantwortung beginnt für uns nicht beim Material allein, sondern beim ganzen System. Schon bei der Gründung 2018 war die Idee, individuelle Leuchten regional in Basel zu fertigen und nur so viel zu produzieren, wie ein Projekt tatsächlich braucht. Ohne Werkzeugbau und ab Stückzahl 1 entsteht keine Überproduktion und weil wir dort fertigen, wo das Produkt eingesetzt wird, verzichten wir bewusst auf lange Lieferwege. Der Hauptanteil unserer Leuchten besteht aus PLA (Polylactid), einem Material ohne Erdölkomponenten, das sich in den Materialkreislauf zurückführen lässt. Im gemeinsam realisierten Projekt war der Auftraggeberin beziehungsweise dem Auftraggeber Nachhaltigkeit besonders wichtig, weshalb wir vollständig recyceltes PLA eingesetzt haben. Gestalterisch sehen wir die grösste Verantwortung aber darin, Objekte zu entwickeln, die man behalten will, weil das Langlebigste meist auch das Nachhaltigste ist.
  8. Eure Entwürfe bewegen sich zwischen geometrischer und experimenteller Formensprache. Wie schafft ihr die Balance zwischen technischer Funktion und emotionaler Wirkung?
    PYL: Für uns ist das keine Balance zwischen zwei Polen, sondern eine Bedingung: Das eine funktioniert nur mit dem anderen. Wir haben den Anspruch, dass jede Leuchte lichttechnisch sauber gelöst ist, von Lichtstrom und Farbwiedergabe über die Entblendung bis zur Steuerung. Eine Form mag noch so ausdrucksstark sein, im Raum überzeugt sie nur, wenn diese Grundlagen stimmen. Umgekehrt bleibt eine technisch perfekte Leuchte ohne gestalterische Idee belanglos. Die emotionale Wirkung entsteht also nicht trotz, sondern wegen der Technik, sobald beide Ebenen einander tragen. Genau in diesem Zusammenspiel liegt unsere Arbeit, und der 3D-Druck gibt uns die Freiheit, eine Form so weit zu treiben, wie es das Projekt verlangt, ohne die physikalischen Grundgesetze aus dem Blick zu verlieren.
  9. Licht beeinflusst Materialität, Atmosphäre und Wahrnehmung eines Raums enorm. In eurem Fall handelt es sich stets um dasselbe Material. Schränkt das auch manchmal ein?
    PYL: Im 3D-Druck arbeiten wir zwar schwerpunktmässig mit dem Biokunststoff PLA, aber den gibt es in sehr vielen Ausprägungen: transparent, in zahlreichen Weisstönen, farbig opak oder transluzent, mehrfarbig oder unter anderem auch mit Holzpigmenten. Das eröffnet eine erstaunliche Bandbreite an Gestaltungsoptionen. Und gerade die Kombination der gedruckten Teile mit Metall, Glas oder Holz finden wir besonders reizvoll. Oft setzen wir auf ein Standardelement wie etwa eine Metallrondelle und adaptieren daran einen individuell gestalteten Schirm. Das Material ist für uns also weniger eine Grenze als ein Ausgangspunkt, von dem aus sich überraschend viel gestalten lässt.
  10. Wenn ihr einen Blick in die Zukunft werft: Wird sich Lichtdesign in den nächsten Jahren verändern – technologisch, gestalterisch und im Zusammenspiel mit Architektur?
    PYL: Ganz sicher, und spannend wird vor allem, wie Licht künftig entsteht und in den Raum kommt. Die letzte grosse Evolution, der Wechsel zur LED, hat enorm viel ermöglicht, etwa sehr kleine Strahler mit hohem Lumenoutput. Die nächste Stufe sehen wir weniger in einer neuen Leuchtenform als in einer neuen Logik: weg vom Katalogartikel, hin zum Objekt, das für einen bestimmten Raum entsteht und dort gefertigt wird, wo es eingesetzt wird. Genau das macht der 3D-Druck möglich, vom Einzelstück bis zur kleinen Serie, ohne Werkzeugbau und ohne lange Wege. Gestalterisch interessiert uns dabei ein grösserer Zusammenhang. In einer Welt, die immer digitaler und kurzlebiger wird, gewinnt das Physische und Langlebige an Bedeutung. Eine Leuchte, die bewusst für diesen einen Ort entworfen wurde, ist das Gegenteil von beliebig. Genau darin liegt aus unserer Sicht die spannendste Zukunft für das Zusammenspiel von Licht und Architektur.
  11. Licht wird häufig erst spät im Planungsprozess thematisiert, obwohl es die Wahrnehmung eines Raums wesentlich prägt. Was wünscht ihr euch von Architekt:innen und Bauherrschaften im Umgang mit Lichtplanung?
    PYL: Das beobachten wir leider oft und es ist eigentlich schade. Architektur lebt vom Zusammenspiel sich ergänzender Ebenen und Licht ist eine der wirkungsvollsten davon. Es entscheidet mit darüber, wie ein Raum wahrgenommen wird, wie Materialien wirken und wie man sich orientiert. Genau deshalb wünschen wir uns, dass Licht nicht erst am Ende dazukommt, sondern von Beginn an mitgedacht wird. Unsere Empfehlung ist ganz praktisch: Holen Sie eine professionelle Lichtplanerin oder einen professionellen Lichtplaner früh ins Projekt, idealerweise parallel zur architektonischen Konzeption. Dann wird Licht Teil der Idee und nicht zur nachträglichen Korrektur. Das lohnt sich gestalterisch wie wirtschaftlich, und es macht die Zusammenarbeit für alle Beteiligten spürbar befriedigender. Unsere Erfahrung bringen wir dafür jederzeit gerne ein.

Zum Projekt bitte hier entlang.

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